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Mythos Europa - Ausstellung in Eberswalde bis 05.11.2016
 

ANTOINETTE Mythos Europa

Die Stadt Eberswalde richtet in der Zeit vom 10.9.- 5.11.2016 eine „Temporäre Kunsthalle“ ein. Auf 700 qm Ausstellungsfläche werden 100 großformatige Werke der Malerin ANTOINETTE gezeigt.

Die Ausstellung mit Festivalcharakter steht unter dem Titel „Mythos Europa“ und zeigt die Ergebnisse 30jähriger künstlerischer Auseinandersetzung mit der kulturellen Identität des Kontinents Europa. Auch wenn einzelne Bilder bereits in anderen Ausstellungen gezeigt wurden, so ist dies das erste Mal, dass alle Werke, auch die erst in letzter Zeit entstanden, gemeinsam gezeigt werden.

Im Begleitprogramm, dass unter www.mythos-europa.de eingesehen werden kann, finden in Kooperation mit dem Filmfest Eberswalde Dokumentarfilmabende statt. Außerdem gibt es Lesungen, Workshops, Führungen und Diskussionsrunden. Die Veranstaltungsreihe wird von der Stadt Eberswalde finanziert und vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Brandenburg gefördert. Die Präsidentin des Brandenburger Landtages, Frau Britta Stark, ist Schirmherrin der Veranstaltung.

Europäische Frauen im Portrait

Prof. Dr. Ulrike Detmers,
Mestemacher-Gruppe,
150x90cm
Prof. Dr. Brigitte Unger,
Wissenschaftliche Direktorin,
150x100cm

Frauen, die etwas bewegt haben, die Neues in die Welt gesetzt und Altes zeitgerecht verändert haben, Frauen, die Macht und Einfluss erworben und dies zum Wohle von Frauen und zum Wohle der gesamten Gesellschaft eingesetzt haben, sollen mit einer Ausstellung ihrer Portraits geehrt, gewürdigt und der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Mit 100, von ANTOINETTE kreierten lebensgroßen Portraits, sollen sie im Jahr 2018, anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Wahlrechtes für Frauen, in einer Auftaktveranstaltung in Berlin versammelt werden. Danach sollen in den Jahren 2018-2021 weitere Ausstellungen zum gleichen Anlass in verschiedenen europäischen Staaten organisiert werden. Diese Arbeit wird ein künstlerisches Gesamtwerk mit höchst individueller Handschrift sein. Die Ausstellungen bieten einen wunderbaren Anlass, vor dem Hintergrund des subjektiven Blicks der Künstlerin, auf die Frauen und ihre Geschichte, über die Selbstwahrnehmung und die Wahrnehmung von weiblicher Macht in der Gesellschaft zu diskutieren. Die Einfachheit der künstlerischen Mittel, Papier und Kreide, die Einfachheit des Sujets - die sitzende oder stehende Frau in voller Größe - fordert die volle Konzentration auf die einzelne Person und ihre Lebenshaltung. Die Gegenüberstellung dieser, sehr unterschiedlichen Haltungen in einer gemeinsamen Ausstellung ergeben einen Spannungsbogen über die Bandbreite der Gesellschaft, über den es ganz gewiss, weit über die künstlerische Umsetzung hinaus, viel zu reden geben wird.

Die Anfänge dieses Projektes liegen im Jahr 1999, als ANTOINETTE nach längerem Aufenthalt in Dresden wieder nach Berlin zurückkehrte. Nach  Jahren der malerischen Beschäftigung mit dem Thema „Europa“ suchte sie nach dem konkreten Gesicht dieser mythologischen Herrscherin. Ein Jahrtausend war im Begriff zu Ende zu gehen. Berlin stand an einem Wendepunkt. Die Stadt war auf dem Wege, von einem geteilten Provisorium zu einer Mittelpunktmetropole Europas zu werden. In dieser Zeit des Wandels war es leicht, Menschen aller gesellschaftlichen Positionen anzusprechen, sie für ein malerisches Projekt zu werben, und so als Künstlerin teilzuhaben an diesem Wunder des gegenseitigen Wahrnehmens. ANTOINETTE schuf ihr einzigartiges Ausstellungsprojekt „Berliner Sittengemälde“, welches mit seinen 180 eindrucksvollen Portraits von Menschen aller Schichten und Altersgruppen innerhalb kürzester Zeit 20.000 Besucher anzog und über den ganzen Sommer 2003 hin große Aufmerksamkeit in Berlin erfuhr. Ausstellungen in New York und in Washington D.C. folgten.

Nun ist die Geschichte vorangeschritten und es ist an der Zeit, den bedeutenden  Frauen, welche in diesen Jahren des Wandels Verantwortung übernommen haben, die bewegt und gestaltet haben, mit ihren Portraits ein die Zeit überdauerndes Gesicht zu geben. Der Zeitraum emanzipierten Miteinanders ist noch kurz und der öffentliche Spielraum noch immer nicht groß genug für die Selbstverwirklichung aller Frauen. Die Gesichter und das Werk dieser Frauen zu dokumentieren und über die Zeiten hinweg erlebbar zu machen, ist das Hauptanliegen dieser neuen Serie von lebensgroßen Portraits.

ANTOINETTE empfindet die Gesichter ihrer Modelle als Landschaften, in denen sich soziale Interaktionen widerspiegeln. Sie hat ein hohes handwerkliches Können entwickelt, weil sie seit Jahren hunderte von Portraits geschaffen hat und sie ist eine Beobachterin, die sehr viel  Behutsamkeit und Intensität entwickelt. Bewusst setzt sie auf die Möglichkeit der Pastell-Zeichnung, der Malerei und führt gerade dadurch eine jahrhundertealte Tradition fort. Die europäische Portraitkunst hat seit dem Mittelalter das aufkommende Selbstbewusstsein emanzipierter Bürger repräsentiert und bildlich gemacht. Diese Bilder, von Cranach, Dürer, Botticelli, Breughel, von Piero della Francesca, über Goya zu Picasso bis hin zu Dix, Beckmann, Lucien Freud u.v.a.m. sind eng verbunden mit dem europäischen Selbstverständnis, sind tief eingeprägt in die kollektive Bilderwelt unseres Bewusstseins. Die Bürger haben zu ihren Ahnen durch Portraits, die viel mehr sind als fotografische Abbildung, eine Brücke schlagen können, sie konnten durch das Betrachten fühlen, was sonst nur eine Geschichte der nackten Fakten und überlieferten Daten wäre.

Traditionen aufzugreifen, sie weiterzuentwickeln und in neue gesellschaftliche Zusammenhänge und damit Herausforderungen einzubinden, das erscheint ANTOINETTE als ihre derzeit größte Herausforderung. Erst wenn eine große Anzahl dieser Portraits angefertigt ist, wird sichtbar werden, wie stark jedes einzelne Element (jedes einzelne Portrait) seine Wirkung entfaltet.

Dieses Abbild, in Form dieses umfangreichen Kunstwerkes, wird zum 100-jährigen Jubiläum des Wahlrechts von Frauen ein Geschenk für uns alle sein.

 

Los Caprichos Femininos

Antoinette - Zeichnungen - Los Caprichos Femininos

Zeichnungen, Bleistift auf grauem Papier,
inspriert von los Caprichos von Goya,  
50x60cm von Januar 2014

Goya hat mit ungeheurer Virtuosität nur mit einer Farbe, dem Schwarz, seine Caprichos entwickelt. Diese gezeichneten Bilder strotzen inhaltlich von kluger Analyse, emotionaler Engagiertheit, leidenschaftlicher Intelligenz und sensibler Untersuchung. Gleichzeitig sind sie so ausdrucksstark in Zeichen übersetzt, dass sie über die Zeit bis heute zu wahren Sinnbildern wurden, die sich tief ins emotionale Gedächtnis der Kunstgeschichte eingeprägt haben. Er beschreibt mit schonungsloser Hingabe die tiefe Zerrissenheit seiner Landsleute, ihre brutalen und oft dummen Handlungen, ihre oft kurzsichtigen und verführerischen Anwandlungen, und er macht ihre Haltungen so einprägsam, so ansichtig, dass man nie wieder vergisst, was man da gesehen hat. Und er ist modern. Er glaubt an das Zeichen einer menschlichen Haltung, an die Tierdämonen, die auf der Brust aller Seelen hocken, die Esel als Arzt, die Mayas, die untreu und irrlichternd mit ihren Fächer herum verwirren, an die alten Kupplerinnen und Seelenverkäufer, die uns überall auflauern. Er übersetzt die Widersprüche seiner Zeit in Menschen, Tiere, Fabelwesen, die in seltsame Geschichten verwickelt, uns übersetzen, was damals (und heute) zu existenziellem Nachdenken aufruft.

ANTOINETTES los Caprichos Feminos  halten sich an diesem Geländer fest. Frauen sind die Hauptakteure, sie sind ganz eng verbunden mit rätselhaften Wesen aus Vögeln und Wildschweinen, riesigen Hunden und Zwittern, die beidgeschlechtlich und in mehrere Richtungen gleichzeitig wandernd, mit Rehköpfen, Elefanten und Hühnern in Gesprächen unterwegs sind. Ebenfalls auf die Farbe Schwarz reduziert, nur mit dem Stift aus Blei unterwegs, malen diese Zeichnungen, was man nur fühlen kann, Zeitbeschreibung, Lebensbeschreibung, die sich eben nur in diesen Bildern erklären kann. Worte würden die Rätsel zerstören, die uns zu tiefer Einkehr bewegen und zu tiefem Empfinden fähig machen können.
Wenn wir uns Zeit nehmen, uns auf diese Fabelwelt einzulassen, dann werden wir den Schmerz spüren, den Oberflächlichkeit und Dummheit hinterlassen. Wir werden ihn sehen...

 

Projekt Europa

ANTOINETTE - Projekt Europa

Europa und ihre Narren, 150x300, 2013

Seit Jahrzehnten beschäftigen mich Mythen und Sagen und ihre wundervollen archetypischen Bilder, die aus meiner Sicht so ein großer Kommunikationsschatz, nicht nur, unserer europäischen Kultur sind.
Im Zuge fortschreitender Globalisierung sind die kulturellen Wurzeln ganz Europas durch wirtschaftliche und psychologische Umstrukturierungen in Auflösung. Die Menschen sind unterwegs. Die Grenzen werden aufgehoben, die Identitätssuche steht ganz vorne in jedem Menschenleben. Manipulative Wünsche formen uns selbst und die ganze Welt. Die Todsünden sind unterwegs. Und die Welt wird gleichzeitig immer freier, bunter, vielfältiger und differenzierter, Faust und Mephisto gehen Hand in Hand durch die Strassen der Welt.
Genau in diesem Augenblick wird, zum wiederholten Male, eine uralte Geschichte für mich interessant.  Eine identitätsstiftende Figur wie die Europa, ist im Zentrum meiner Beobachtungen. Auch ich muss mich zuerst selber bestimmen: In einer Zeit ohne Kriege aufgewachsen, in einer Inselsituation ausgebildet, und nun arbeitend in einer Welt ständiger Expansion, der man zutiefst misstrauen muss, stehe ich als Künstlerin vor der Frage: wie forme ich welchen Stoff und wozu? Was will ich über mich erfahren, erzählen, erleben, was davon trifft auf die Gemeinschaft ebenso zu, der ich meine Lebenserfahrung spenden will und von der ich genährt werde? Und welche Mittel des Ausdrucks sind mir geschenkt worden von einer nicht mehr vorhandenen alten Kultur, auf die ich mich aber berufen kann?  Was ist das besondere am Leben des Einzelnen? Was ist das besondere einer ganzen Etappe der Gemeinschaft? Wie kommuniziere ich  über die Fragen, die mir am nächsten sind und am Herzen liegen mit meinen Mitteln der Kunst? Was habe ich gelernt, um dies zu tun, was davon ist unbrauchbar geworden? Was davon ist denunziert worden und unbenutzbar, obwohl es wichtig wäre, es wach zu halten? Wir haben eine uralte europäische Tradition, mittels Figurentheater alle wichtigen Seeleninhalte darzustellen.